Offene Karten

Wer dahintersteckt, wie es funktioniert, und was es nicht kann

Mein Name ist Frederik Metz. MUCwahl ist ein unabhängiges 1-Mann-Projekt. Keine Partei, kein Medienhaus, keine Stiftung steht dahinter. Kein Geld fließt, keine Daten werden erhoben.

Ich habe das Tool gebaut, weil mich bestehende Wahlhilfen frustriert haben: schwammige Fragen, die den echten Konflikten ausweichen. Man klickt sich durch und ist am Ende so schlau wie vorher. Mein Ziel war es, Fragen zu stellen, die eine echte Entscheidung fordern. Keine „Wir wollen alles"-Wohlfühlsätze, sondern klare Prioritäten.

MUCwahl zeigt dir, wo Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen dir und 14 Münchner Parteien liegen. Es sagt dir nicht, wen du wählen sollst.

So funktioniert dein Ergebnis

Du beantwortest 25 Thesen mit Zustimmung, Neutral oder Ablehnung. Deine Antworten werden mit den offiziellen Positionen der 14 Parteien verglichen. Je mehr Übereinstimmung, desto höher der Prozentwert.

Zusätzlich kannst du Themen gewichten: 10 Punkte auf 5 Themenfelder verteilen. Themen mit mehr Punkten zählen stärker in deinem Ergebnis.

Der politische Kompass platziert dich und die Parteien auf zwei Achsen: wirtschaftlich (umverteilend ↔ marktliberal) und gesellschaftlich (veränderungsorientiert ↔ traditionsbewahrend).

Scoring: Für jede These wird die Differenz zwischen deiner Antwort und der Parteiposition berechnet. Volle Übereinstimmung ergibt den maximalen Punktwert, multipliziert mit dem Gewicht des Themenfeldes. „Neutral" wird als halbe Übereinstimmung gewertet.

Kompass-Achsen: Jede These hat vordefinierte Gewichte auf der wirtschaftlichen (x) und gesellschaftlichen (y) Achse. Diese sind handkodiert, nicht algorithmisch abgeleitet. Das ist eine bewusste Entscheidung: automatische Dimensionsreduktion (wie PCA) würde die Achsen für Nutzer uninterpretierbar machen.

Normalisierung: Parteien werden auf derselben Gesamtskala verglichen (Total-Weight-Normalisierung), nicht pro Partei. Dadurch wird keine Partei bevorzugt, die zu mehr Thesen eine Position hat.

Kantenkompression: Positionen im Kompass werden mit einer Potenzfunktion (Exponent 0.7) komprimiert. Das verhindert, dass sich alle Punkte an den Rändern klumpen, und ergibt eine lesbarere Verteilung.

Die vollständige Berechnung ist in app.js einsehbar.

Wie die 25 Thesen ausgewählt wurden

Die Auswahl folgt vier Kriterien: Lokaler Bezug (Münchner Kommunalpolitik, nicht Bundesthemen), Trennschärfe (Thesen, bei denen die Parteien unterschiedlicher Meinung sind), Themenbreite (Abdeckung von 5 Politikfeldern) und echte Zielkonflikte (keine „Wir wollen alles"-Aussagen).

Die Thesen wurden in mehreren Runden validiert: KI-gestützte Delphi-Panels mit simulierten Wählerprofilen über alle Parteien hinweg haben jede These auf Verständlichkeit, Neutralität und Trennschärfe geprüft. Schwache Thesen (geringe politische Differenzierung über alle 14 Parteien) wurden systematisch durch trennschärfere ersetzt.

25 Thesen aus hunderten möglichen Themen sind immer eine Auswahl. Andere Themen (z.B. Kulturförderung, Schulpolitik, Energiepreise) fehlen nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil sie entweder zu wenig Trennschärfe bieten oder nicht primär kommunal entschieden werden.

Zustimmungs-Balance (progressiv vs. konservativ)

Bei naiven Umfragen stimmen Menschen Aussagen tendenziell eher zu als ab (Acquiescence Bias). Wenn „Zustimmung" überwiegend progressive Positionen abbildet, entsteht eine systematische Verzerrung. Deshalb wurde die Polarität der Thesen aktiv optimiert.

Aktuell führt „Zustimmung" bei etwa 11 Thesen zu einer progressiven Position, bei 10 zu einer konservativen, und bei 4 ist die Zuordnung ambivalent. Dieses Gleichgewicht wurde durch zwei Maßnahmen erreicht:

Polarity Flips

Mehrere Thesen wurden bewusst so formuliert, dass die konservative oder marktliberale Position die Zustimmung ist. Beispiel: Die Radwege-These fragt nicht „Soll München mehr Radwege bauen?", sondern „Sollen Fahrspuren erhalten bleiben, auch wenn weniger Platz für Radwege ist?" Ebenso wurde die Solarpflicht-These umgedreht: „Soll die Solarpflicht abgeschafft werden?" Zustimmung bedeutet hier jeweils: Status quo beibehalten oder Regulierung zurücknehmen.

Spektrum-Abdeckung

Thesen wie Sparkurs, Gewerbesteuer senken, Integrationskosten begrenzen und Referate abschaffen wurden gezielt aufgenommen, um das konservative und wirtschaftsliberale Spektrum angemessen abzudecken. Ohne sie wäre die Thesenauswahl einseitig zugunsten progressiver Positionen.

„Auch wenn"-Klauseln

Alle 25 Thesen enthalten eine explizite „auch wenn"-Klausel, die den Preis der Zustimmung benennt (z.B. „auch wenn dies Milliarden kostet", „auch wenn dafür an anderer Stelle gespart werden muss"). Das zwingt zur Abwägung statt zur reflexhaften Zustimmung.

Eine Einschränkung: Jede „auch wenn"-Klausel benennt einen bestimmten Preis, und welcher Preis benannt wird, ist selbst eine Entscheidung. Bei These 20 (Gendersprache) lautet der Preis „widerspricht den amtlichen Rechtschreibregeln", nicht „obwohl ein erheblicher Teil der Bevölkerung das ablehnt". Bei These 5 (ÖPNV-Preise) bleibt der Preis vage („an anderer Stelle gespart werden muss"), statt konkret zu benennen, wo gespart würde. Die Klauseln reduzieren Zustimmungs-Bias, ersetzen ihn aber nicht durch neutrale Formulierungen, sie verschieben ihn auf eine subtilere Ebene. Wer das prüfen will: Alle Thesen sind im Detail unten einsehbar.

Delphi-Panels

Jede These wurde KI-gestützt mit simulierten Wählerprofilen über das gesamte Parteienspektrum geprüft. Die Panels bewerteten vier Kriterien: Neutralität (keine wertende Sprache), Klarheit (eindeutig, was Zustimmung/Ablehnung bedeutet), sichtbarer Trade-off und keine Suggestivwirkung. Thesen, die über alle 14 Parteien hinweg zu wenig differenzierten, wurden durch trennschärfere ersetzt.

Trade-off-Labels

Jede These hat ein Label, das den Kernkonflikt benennt (z.B. „Inklusion vs. Tradition"). Das sind Vereinfachungen, keine absoluten Dichotomien. Sie sollen den Zielkonflikt sichtbar machen, nicht suggerieren, dass es nur zwei Seiten gibt.

Woher die Partei-Positionen stammen

Alle Positionen stammen aus den offiziellen Wahlprogrammen der 14 Parteien und Listen zur Münchner Kommunalwahl 2026. Jede Zuordnung (Zustimmung / Neutral / Ablehnung) ist mit einem direkten Zitat aus dem jeweiligen Programm belegt.

Beispiel: Zur These „Autofreie Altstadt" schreiben die Grünen in ihrem Programm: „Wir wollen den motorisierten Individualverkehr innerhalb des Mittleren Rings deutlich reduzieren." → Zuordnung: Zustimmung.

Wenn eine Partei schweigt: Hat ein Wahlprogramm keine klare Position zu einer These, wird die Position als „Neutral" kodiert. „Neutral" bedeutet hier „keine klare Aussage", nicht „Enthaltung". Diese Neutralwertung geht in den Match-Score ein (als halbe Übereinstimmung). Die Alternative wäre, die These für diese Partei komplett zu überspringen, das würde aber den Score zugunsten von Parteien mit wenig Programm verzerren (weniger Thesen = weniger Chancen, danebenzuliegen).

Keine Interpretation: Ich leite keine Positionen aus dem allgemeinen Parteiprofil ab. Wenn das Programm nichts dazu sagt, bleibt es offen.

Nur Programme, nicht Verhalten: Die Positionen basieren ausschließlich auf Wahlprogrammen, nicht auf Abstimmungen im Stadtrat oder Medienaussagen. Das ist eine bewusste Vereinfachung. Was eine Partei verspricht und wie sie handelt, kann voneinander abweichen.

Der vollständige Datensatz mit allen Zitaten ist in wahlomat_data.js maschinenlesbar einsehbar.

Was MUCwahl nicht kann

  • 25 aus hunderten. Die Thesenauswahl bildet nicht alle politischen Positionen ab. Wichtige Themen können fehlen.
  • Keine Kandidaten. MUCwahl bewertet Parteilisten, nicht Einzelpersonen. Wer auf Platz 1 einer Liste steht, kann andere Positionen vertreten als das Programm.
  • Versprechen, nicht Handeln. Die Positionen basieren auf Wahlprogrammen. Was eine Partei nach der Wahl tatsächlich umsetzt, kann davon abweichen.
  • Vereinfachung auf drei Antworten. Zustimmung / Neutral / Ablehnung bildet keine Nuancen ab. Manche Positionen sind komplexer als Ja oder Nein.
  • Kompass als Modell. Zwei Achsen können die politische Landschaft nicht vollständig abbilden. Die Achsendefinitionen sind meine Einschätzung, keine objektive Vermessung.
  • Ein-Personen-Projekt. Ich habe die Thesen ausgewählt und die Partei-Positionen zugeordnet. KI-gestützte Delphi-Panels haben die Formulierungen validiert, aber kein institutionelles Gremium steht dahinter. Meine eigenen Blind Spots sind unvermeidlich.

Datenschutz & Technik

Kein Tracking. Keine Cookies. Keine Daten verlassen deinen Browser. Deine Antworten werden nur lokal auf deinem Gerät gespeichert (localStorage). Kein Backend, kein Google Analytics, keine externen Requests.

Quellcode offen auf GitHub. Gebaut mit Alpine.js und TailwindCSS, gehostet auf GitHub Pages. Keine externen Schriftarten, keine CDNs.

Alle 25 Thesen im Detail

Jede These mit Themenfeld, Trade-off und Hintergrund.

Stichwahl am 22. März

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Methodik zuletzt aktualisiert: 13. März 2026