Stichwahl 22. März

Offene Karten: Prioritäten-Check

So funktioniert der Check, und warum wir zwei Fragen pro Thema stellen.

Warum zwei Fragen pro Thema?

Normale Umfragen stellen eine Frage: „Findest du das gut?" Die Antwort verrät aber nur die halbe Wahrheit. Denn „finde ich gut" und „vermisse ich, wenn es fehlt" sind zwei verschiedene Dinge.

Ein Beispiel:

Anna findet „50.000 Wohnungen bauen" begeisternd. Clara findet es „akzeptabel". Beide fänden es störend, wenn nichts gebaut wird.

Eine normale Umfrage hätte Anna als „dafür" und Clara als „neutral" eingestuft. In Wahrheit ist Wohnen für beide unverzichtbar, nur unterschiedlich aufregend.

Der Prioritäten-Check stellt deshalb pro Thema zwei Fragen: „Was wäre, wenn?" und „Was wäre, wenn nicht?" Aus der Kombination beider Antworten entsteht ein differenzierteres Bild.

Der zentrale Gedanke: Zufriedenheit und Unzufriedenheit sind zwei unabhängige Achsen, nicht zwei Enden einer Skala.

Dieses Prinzip stammt aus dem Kano-Modell, einer Methode aus der Produktentwicklung (entwickelt von Noriaki Kano in den 1980er Jahren). Wir wenden es hier auf politische Themen an.

Die 5 Kategorien

Je nachdem, wie du die beiden Fragen beantwortest, fällt ein Thema in eine von fünf Kategorien (plus eine sechste für widersprüchliche Antworten).

Begeisterung

Das Thema reißt dich mit. Wenn ein Kandidat hier liefert, gewinnst du ihn. Wenn nicht, vermisst du es nicht bewusst.

Leistung

Je mehr hier passiert, desto zufriedener bist du. Klassischer Wahlkampf-Hebel.

Basis

Pflicht. Ohne das wählst du keinen, aber es reißt dich auch nicht vom Hocker. Wie Strom aus der Steckdose.

Indifferent

Egal ob vorhanden oder nicht. Kein Faktor für deine Entscheidung.

Rückweisung

Du willst das Gegenteil. Der Kandidat verliert dich aktiv mit dieser Position.

Fraglich

Deine Antworten widersprechen sich. Vielleicht hast du das Thema anders verstanden als gemeint.

Die Kano-Matrix (volle Transparenz)

So wird aus deinen zwei Antworten eine Kategorie. Zeile: deine Antwort auf „Was wäre, wenn nicht?" Spalte: deine Antwort auf „Was wäre, wenn?"

Begeistert Erwarte ich Egal Akzeptabel Stört mich
↑ Antwort auf „Was wäre, wenn?"
Begeistert Fraglich Rückw. Rückw. Rückw. Rückw.
Erwarte ich Begeis. Indiff. Indiff. Indiff. Rückw.
Egal Begeis. Indiff. Indiff. Indiff. Rückw.
Akzeptabel Begeis. Indiff. Indiff. Indiff. Rückw.
Stört mich Begeis. Leistung Basis Basis Fraglich

← Antwort auf „Was wäre, wenn nicht?"

Lesebeispiel: Du findest die positive Variante „begeisternd" und die negative „störend"? Dann ist das Thema für dich eine Begeisterung. Du findest beide Varianten „egal"? Dann ist es indifferent.

Die 8 Themen und Kandidatenzuordnung

Welches Thema welchem Kandidaten zugeordnet ist, und warum.

Krause hat in Wahlprogramm und Reddit-AMA konkretere, spezifischere Positionen formuliert. 5 von 8 Themen sind deshalb Krause zugeordnet, 2 Reiter, 1 beiden. Das ist keine Wertung, sondern eine Beobachtung: Wer sich stärker positioniert, dem lassen sich mehr Themen zuordnen.

🏠

Wohnen

Schwerpunkt: Krause

50.000 neue bezahlbare Wohnungen, SEM Nord, Umwandlungsagentur gegen Leerstand. Krause hat das Thema als zentralen Unterschied zu Reiter benannt.

Quellen: Reddit AMA (4. März 2026), dominik-krause.de/themen

🚋

ÖPNV & Mobilität

Schwerpunkt: Krause

Tramlinien ausbauen vor Gratisticket. Krause hat im AMA erklärt, warum kostenloser ÖPNV als Kommune nicht finanzierbar ist und Netzausbau Priorität hat.

Quellen: Reddit AMA (4. März 2026), dominik-krause.de/themen

🚶

Verkehr & Straßenraum

Schwerpunkt: Krause

Autoverkehr zugunsten Fuß/Rad zurückbauen. Krauses Positionen zu Vision Zero, Abstellzonen für E-Roller und pragmatischem Kurs bei Bewohnerparken sind konkreter als Reiters „ausgewogener Verkehrsmix".

Quellen: Reddit AMA (4. März 2026), dominik-krause.de/themen, SPD Wahlprogramm München 2026

☀️

Klima & Energie

Schwerpunkt: Krause

Klimaneutral 2035, PV auf städtischen Dächern. Krause nennt ein festes Jahresziel, Reiter formuliert „sozial verträglich" ohne konkreten Zeitplan.

Quellen: dominik-krause.de/themen, SPD Wahlprogramm München 2026

🛡️

Sicherheit & Ordnung

Beide Kandidaten

Polizeipräsenz plus Sozialarbeit und Prävention. Beide Kandidaten betonen das Thema, mit unterschiedlicher Akzentuierung. Keine klare Zuordnung zu einem Kandidaten möglich.

Quellen: SPD Wahlprogramm München 2026, dominik-krause.de/themen, Koalitionsvertrag SPD/Grüne 2020

📱

Digitale Verwaltung

Schwerpunkt: Reiter

Alle Behördengänge digital, München-App. Reiter hat ein laufendes Digitalisierungsprogramm und nutzt seine Amtserfahrung als Hebel.

Quellen: SPD Wahlprogramm München 2026, Koalitionsvertrag SPD/Grüne 2020

🎨

Kultur & Subkultur

Schwerpunkt: Krause

Subkultur schützen, Zwischennutzung fördern, bezahlbare Ateliers sichern. Krause hat sich konkret für das Backstage eingesetzt und die Zwischennutzung des alten Gasteigs ermöglicht.

Quellen: Reddit AMA (4. März 2026), dominik-krause.de/themen

🏛️

Amtserfahrung & Kontinuität

Schwerpunkt: Reiter

Ein OB, der den Laden kennt, gewachsene Netzwerke hat und sofort loslegen kann. 12 Jahre Amtserfahrung sind Reiters stärkstes Argument.

Quellen: SPD Wahlprogramm München 2026, Koalitionsvertrag SPD/Grüne 2020

Quellen

  • dominik-krause.de/themen
  • Reddit AMA (r/Munich, 4. März 2026, u/DominikKrause)
  • SPD Wahlprogramm München 2026
  • Koalitionsvertrag SPD/Grüne München 2020

Was der Check nicht ist

  • Keine Wahlempfehlung. Der Check zeigt dir dein Prioritätenprofil, nicht wen du wählen sollst.
  • Kein vollständiges Bild. 8 Themen von vielen möglichen. Wichtige Bereiche (Bildung, Finanzen, Integration) fehlen bewusst, weil sie bei der Stichwahl weniger trennscharf sind.
  • Vereinfachte Kandidatenzuordnung. Die meisten Themen haben Nuancen bei beiden Kandidaten. Die Zuordnung zeigt den Schwerpunkt, nicht ein Monopol.
  • Kein wissenschaftliches Instrument. Keine repräsentative Stichprobe, keine externe Validierung. Das Kano-Modell stammt aus der Produktentwicklung und wird hier experimentell auf politische Themen angewandt.
Methodik zuletzt aktualisiert: 11. März 2026